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Vielen Dank für den großartigen Einsatz unserer Übersetzer Marcel und Xenia.

#1

Nicht-menschliche Tiere pflanzen sich fort, warum sollten wir es nicht auch tun? Das ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens.

Diese Ausrede behauptet, dass es moralisch zulässig ist, dass Menschen (die auch Tiere sind), sich fortpflanzen, weil nicht-menschliche Tiere (von nun an einfach "Tiere") sich fortpflanzen. Oder allgemeiner ausgedrückt: Wenn Tiere ein Verhalten X an den Tag legen, dann ist es für Menschen moralisch zulässig, ebenfalls X zu tun.

Das Hauptproblem mit diesem Argument besteht darin, dass Tiere viele Verhaltensweisen wie Kindermord und Vergewaltigung an den Tag legen, die die grosse Mehrheit der Menschen verurteilen. Angesichts der Tatsache, dass Tiere Verhaltensweisen an den Tag legen, die im menschlichen Kontext sowohl als akzeptabel - wie Kooperation und Teilen - als auch als inakzeptabel - wie die zuvor erwähnten - angesehen werden, können wir sie nicht als verlässlichen moralischen Maßstab für die Beurteilung des menschlichen Verhaltens heranziehen.

Wenn wir bestimmte Verhaltensweisen von Tieren auswählen und sie als Rechtfertigung für unser eigenes Verhalten heranziehen, während wir andere Verhaltensweisen von Tieren ignorieren, die wir verurteilen, bedienen wir uns des Scheinarguments des "Rosinenpickens". Da wir in der Tat zwischen Tierverhalten unterscheiden können, das im menschlichen Kontext akzeptabel und inakzeptabel ist, haben wir eindeutig einen anderen moralischen Maßstab, um menschliches Verhalten zu beurteilen. Warum also nicht einfach diesen Maßstab anwenden?

In Anbetracht der Tatsache, dass die Fortpflanzung natürlich ist, hat das Argument den gleichen Fehler. Es ist in der Tat natürlich, sich fortzupflanzen. Aber nur weil etwas natürlich ist, heißt das nicht, dass es moralisch gerechtfertigt ist. In der Natur finden wir Dinge, die man im menschlichen Kontext sowohl als gut (z.B. Altruismus, Kooperation, Mitgefühl) als auch als schlecht (z.B. Kindermord, Vergewaltigung, jemanden bei lebendigem Leib zu fressen) ansehen würde. So können wir die Tatsache, dass etwas natürlich ist, nicht als Beweis verwenden, dass es entweder gut oder schlecht ist. Dies ist der so genannte "Appell an die Natur"-Trugschluss (Argumentum ad naturam).

#2

Wenn wir uns nicht weiter fortpflanzen, werden die Menschen schließlich aussterben. Also müssen wir uns fortpflanzen, um die Art am Leben zu erhalten!

Wenn diese Entgegnung auftaucht, musst du dich darauf einstellen, dass das Gespräch einen anderen Weg einschlagen wird. Die Frage des Gesprächs lautet nun: "Ist es ethisch vertretbar, das Aussterben der menschlichen Spezies zuzulassen oder sogar zu unterstützen?"

Ob es ethisch vertretbar ist, das Aussterben der Menschheit zuzulassen ist eine interessante Frage, insbesondere wenn man das Problem des Leidens von Wildtieren mit einbezieht, da wir die einzige bekannte Spezies mit dem Potenzial sind, die Fähigkeit zu entwickeln, das Leiden in der Natur vollständig zu beseitigen (oder es zumindest zu versuchen). Jedoch ist es wahrscheinlich am besten, sich zunächst nur mit dem menschlichen Aussterben zu anzuschauen. Jemand, der zum ersten Mal über das Aussterben der Menschen spricht, ist wahrscheinlich nicht bereit, über die nuancierte Ethik des Leidens und Empfindens von Wildtieren zu diskutieren.

Wenn sich jemand gegen das Aussterben ausspricht, dann hat diese Person normalerweise eine kollektivistische und sentimentale Perspektive und keine rationale. Meistens geht ihr Einwand in etwa in diese Richtung: "Wir können Menschen nicht aussterben lassen, weil es eine Eigenschaft gibt, die Menschen besitzen und die bedeutet, dass sie fortbestehen müssen, auch wenn dies bedeutet, dass einzelne Menschen etwas opfern".

Wie wir im Laufe der Geschichte gesehen haben, führt es oft zu großen moralischen Gräueltaten, die Interessen der Gruppe über die des Einzelnen zu stellen, und man braucht nicht viel Phantasie, um zu erraten, wie sich das in diesem Fall auswirken kann. Um das Gespräch voranzubringen, muss man wirklich Fragen stellen wie: "Warum muss es Menschen geben?" und "Wenn das Aussterben auf eine freiwilligen Art und Weise stattfinden würde und keine Rechte der Einzelnen verletzt würden, was wäre dann falsch daran?"

Es ist interessant diese Gespräche zu führen, aber letztlich ist es am besten das Gespräch wieder auf das zurückzuführen, worüber die Person mit der du sprichst die Kontrolle hat: Ihr eigenes Verhalten.

#3

Alle anderen werden sich einfach weiter fortpflanzen, also wird es keinen Unterschied machen, wenn ich aufhöre; ich könnte mich genauso gut auch fortpflanzen.

Natürlich wird eine Person, die auf Fortpflanzung verzichtet, die Gesamtzahl der neuen Menschen, die ins Leben gerufen werden, nicht wesentlich reduzieren. Ob eine Handlung ethisch ist oder nicht, hängt jedoch nicht von ihrer Popularität ab, und wir sind nicht verantwortlich für das, was andere tun, sondern für das, was wir tun, unabhängig davon, was andere tun. Zum Beispiel würde diese Argumentation, wenn wir sie akzeptieren, auch die Ermordung von nicht-menschlichen Tieren zur Nahrungsgewinnung rechtfertigen: "Ich kann genauso gut weiter dafür bezahlen, dass Tiere getötet werden und ihre Leichen essen, weil alle anderen das auch tun; wenn ich aufhöre, wird sich die Gesamtzahl der getöteten Tiere sowieso nicht verringern." Sehen Sie das Problem?!

Dieses Argument zielt darauf ab, der es äußernden Person jegliche moralische Verantwortung abzunehmen, nur weil die Menschen um sie herum etwas tun. Wir müssen uns bewusst sein, dass wenn wir das tun, was "normal" ist, unsere Gleichgültigkeit gegenüber der Moral nicht nur Auswirkungen auf uns selbst hat, sondern auch auf andere. Selbst wenn wir den Kopf in den Sand stecken, was die Konsequenzen angeht, ändert das nichts an dem Schaden, der anderen zugefügt wird. Sicher, Sie können die Realität ignorieren, aber Sie können die Konsequenzen des Ignorierens der Realität nicht ignorieren.

Der Mensch nimmt für sich in Anspruch, die Spezies zu sein, die vor allen anderen Spezies Recht von Unrecht unterscheiden kann - die intelligenteste Spezies - und dennoch gibt es Menschen, die versuchen, ihren Beitrag zu einem Problem zu rechtfertigen, statt sich mit ihm auseinanderzusetzen und sich dabei darauf berufen, dass andere Menschen dasselbe tun. Wenn das kein moralisches Versagen ist, dann was sonst?

#4

Es gibt einen Grund, warum wir Fortpflanzungssysteme haben; wir sind dazu bestimmt, uns fortzupflanzen.

Die Tatsache, dass wir die Fähigkeit haben, uns fortzupflanzen, sagt uns nichts darüber aus, ob wir uns auch fortpflanzen sollten. Unsere Anatomie ermöglicht es uns, vieles zu tun, was wir moralisch abscheulich finden. Sollten wir nicht über unsere Fähigkeit, etwas zu tun, hinaus denken und überlegen, ob es auch das Richtige ist?

Manche Leute mögen sagen: "Nun, das Fortpflanzungssystem ist ein Sonderfall, da es nur einen Zweck hat, während andere Körperteile für mehrere Dinge genutzt werden können, zwischen denen wir wählen können. Also müssen wir es dafür verwenden." Jedoch gilt auch hier: Ob ein Organ nur eine Funktion hat oder viele - es gibt keinen Grund, warum wir seine Funktion in Anspruch nehmen müssen. Sie kann auch einfach ungenutzt bleiben.

Die meisten Menschen werden zugeben, dass es zumindest einige Umstände gibt, unter denen es unethisch wäre, sich fortzupflanzen: Wenn das Kind etwa eine beeinträchtigende genetische Erkrankung hätte, die dazu führen würde, dass es ein kurzes Leben voll großer Leiden führen müsste. Dieses Eingeständnis, dass es tatsächlich Umstände gibt, unter denen wir uns der Fortpflanzung enthalten sollten, zeigt dass die bloße Fähigkeit, sich fortzupflanzen, nicht den Akt der Fortpflanzung rechtfertigt. Wenn wir das Argument akzeptieren würden, dass Fortpflanzung moralisch gerechtfertigt ist weil "wir Fortpflanzungssysteme aus einem bestimmten Grund haben", dann wären alle Geburten gerechtfertigt. Auch solche, die zu Nachkommen führen, deren Leben nicht lebenswert ist (selbst nach natalistischen Maßstäben).

#5

In meiner Religion ist es gut, sich fortzupflanzen.

Einige Menschen haben starke religiöse Überzeugungen, und viele dieser Menschen glauben, dass sie, weil sie diese religiösen Überzeugungen teilen, das Recht haben, andere in irgendeiner Weise zu kontrollieren. Das ist eine sehr gefährliche Idee und viele von denen, die sie vertreten, werden sie nach einigem Nachdenken tatsächlich ablehnen (oder auf spezielle Argumente zurückgreifen).

Wenn wir akzeptieren, dass wir jemand anderem etwas antun können, weil unsere Religion sagt, dass es erlaubt ist, dann müssen wir um konsequent zu sein auch akzeptieren, dass andere uns etwas antun können, weil ihre Religion sagt, dass es erlaubt ist, dies zu tun. Manche Leute sagen zum Beispiel, dass sie Homosexuelle hinrichten dürfen sollten, weil Homosexualität in ihrer Religion verurteilt wird. Aber würden dieselben Leute akzeptieren, dass jemand anderes sagt, dass sie Homophobiker (d.h. die Ersteren) hinrichten dürfen sollten, weil Homophobie in ihrer Religion verurteilt wird? Wahrscheinlich nicht. Die meisten Menschen würden zustimmen, dass diese Ausrede nicht mehr so attraktiv ist, wenn wir erst einmal erkannt haben, dass sie in beide Richtungen geht.

Wenn ein Mensch sich fortpflanzt, tut er etwas, das jemand anderen betrifft, und religiöse Überzeugungen sind - wie wir festgestellt haben - keine gültigen moralischen Rechtfertigungen dafür. Außerdem ist es unwichtig, ob eine Handlung, welche eine andere Person betrifft, etwas ist was für einen selbst in Ordnung wäre - weil die andere Person eventuell nicht möchte, dass diese Handlung ihr angetan wird. Sich fortzupflanzen bedeutet, vor allem wenn Natalisten an die Vorstellung der Hölle glauben, jemanden in die Schusslinie zu bringen. Ob jemand dieses Risiko für sich selbst eingehen möchte oder nicht, ist irrelevant. Die eigene Religion rechtfertigt es nicht, dieses Risiko einer anderen Person aufzubürden.

#6

Wenn wir aufhören, uns fortzupflanzen, wer wird sich dann um die letzte Generation kümmern und sie unterstützen?

Dies ist eine interessante Ausrede. Sie rechtfertigt zwar nicht die Fortpflanzung, aber sie wirft ein berechtigtes Problem auf, das angesprochen werden muss.

Erstens, warum rechtfertigt sie nicht die Fortpflanzung? Eine Person in die Existenz zu bringen, nur damit sie einen Zweck erfüllen kann und irgendeinen Nutzen hat, ist etwas, das selbst Natalisten meist ablehnen würden. Wenn wir dieser Logik folgen, wäre es gerechtfertigt, Lebewesen zu anderen Zwecken in die Existenz zu bringen, solange es zur Verbesserung der bereits existierenden Menschen führt. Dies kann zu vielen moralisch verwerflichen Handlungen führen. Wäre es gerechtfertigt, Menschen in die Existenz zu züchten, damit sie die Fabriken und Felder füllen, um unseren Lebensstandard zu erhalten? Die meisten ehrlichen Menschen würden zugeben, dass dies nicht gerechtfertigt wäre. Stattdessen sollten wir anerkennen, dass das Leben keine perfekte Situation ist und dass wir mit Hindernissen (wie dem Älterwerden) so gut wie möglich umgehen müssen. Aber das bedeutet nicht, dass wir neue Lebewesen in die Existenz bringen können, um unsere Probleme zu lösen. Kinder dürfen nicht als  Sklaven benutzt werden, um für andere zu sorgen.

Anmerkung: Eine Ausnahme von dieser Regel, bei der man argumentieren könnte, dass dies moralisch zulässig ist, ist die Fortführung der menschlichen Spezies mit dem Ziel, das Leiden der Wildtiere zu lindern. Ein entscheidender Unterschied zwischen dieser Situation und der "Altenpflege" ist, dass die vorgeschlagene Lösung des Problems nicht selbst der Weg des Problems ist - wohingegen das Züchten von Menschen, um andere Menschen zu versorgen, es sehr wohl ist.

Nun zur Frage der Unterstützung von Älteren, die zur letzten Generation gehören würden. Ehrlich gesagt, soweit wir derzeit wissen, gibt es dafür keine perfekte Lösung. Es ist davon auszugehen, dass wenn wir Wirtschaftszweige schließen, die das Heranwachsen von Menschen unterstützen, mehr Menschen dann in Branchen arbeiten werden, die sich um Menschen kümmern, die aus dem Leben scheiden, oder nach Wegen suchen, diese zu unterstützen. Es ist ein große Aufgabe, die wir meistern müssen. Wir werden die Gesellschaft so organisieren müssen, dass sie sich so weit wie möglich selbst versorgen kann, auch wenn sie schrumpft. Vielleicht werden wir nicht in der Lage sein, eine perfekte Lösung zu finden.

#7

Es gibt so viel Leid auf der Welt, dass ich mit einem Kind im Großen und Ganzen nicht viel dazu beitrage.

Mit dieser Ausrede wird behauptet, dass der Beitrag einer einzelnen Person nicht bedeutend genug ist, um den Verzicht auf Lebensfreude und Selbstverwirklichung zu rechtfertigen. Das Leiden, dass eine einzelne Person durch ihre Fortpflanzung verursacht, ist nur wie ein Tropfen im Ozean.

Dieses Argument rechtfertigt jedoch, wahrscheinlich unbewusst von Seiten der befürwortenden Person, dass praktisch jede individuelle unmoralische Tat die begangen werden kann, weil sie alle ein "Tropfen im Ozean" sind. Dasselbe Argument könnte zum Beispiel von einer Person vorgebracht werden, um zu rechtfertigen, dass sie das Haus von jemand anderes zum persönlichen Vergnügen niederbrennt. Es wäre in der Tat so, dass dieses Leid, das aus dem Niederbrennen des Hauses resultiert, verhältnismäßig gering ist, verglichen mit der Gesamtheit des Leids. Anhand dieses Beispiels sollte jedoch klar sein, dass dieser Einwand das Niederbrennen des Hauses moralisch nicht rechtfertigt. Dieses Argument versucht im Wesentlichen, jede Person von ihrer persönlichen Verantwortung freizusprechen, anderen keinen Schaden zuzufügen.

Ebenfalls kann die Handlung einer einzelnen Person - beim Thema Fortpflanzung aber nicht nur dort - immenses Leiden und Unrecht verursachen. Wenn man ein Kind bekommt, dann bekommt man nicht einfach nur dieses Kind, sondern erschafft damit auch ein Potenzial für Hunderte von neuen Generationen. Das sollte nicht einfach so außer Acht gelassen werden.

#8

Mein Kind könnte das Heilmittel für Krebs finden oder eine andere große Leistung vollbringen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man mit dieser Ausrede umgehen kann:

  • Dieses Kind würde in die Existenz gebracht werden, um ein Problem zu lösen, das selbst ein Ergebnis der Existenz ist. Dies ist damit vergleichbar, trockenes Holz in ein brennendes Haus zu tragen, um es zu löschen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass das entsprechende Kind selbst an Krebs erkrankt, als diejenige Person zu werden, die ihn heilt. Anstatt mehr Menschen in eine Welt voller Probleme zu zwingen, sollten wir uns nicht lieber darauf konzentrieren, das Potenzial der Menschen zu erschließen, die bereits existieren? Im Grunde versuchen wir, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um den Schaden für diejenigen zu begrenzen, die wir selbst überhaupt erst in Gefahr gebracht haben. Warum verhindern wir nicht einfach, dass jemand überhaupt in Gefahr gerät?

  • Das Kind könnte das Heilmittel für Krebs finden - obwohl die Chancen dazu extrem gering sind - aber es könnte auch als Serienmörder enden oder einen Terroranschlag verüben. Daran denkt man nicht, wenn man jemanden ins Leben ruft. Wenn diese Ausrede vorgebracht wird, dann oft auf diese Art: “Nun, mein Kind könnte Krebs heilen, und wenn es das nicht tut, ist es egal". Aber das ist nicht der Fall. Das Kind könnte gute Dinge tun, und es könnte auch abscheuliche Dinge tun. Es geht nicht um "es könnte Krebs heilen oder nicht", sondern ist vielmehr um "es könnte Krebs heilen oder es könnte ein Flugzeug in ein Gebäude fliegen, oder es könnte ein Betrüger werden" usw. Diese Antwort ist weniger ein Totschlagargument als vielmehr ein Versuch, die rosaroten Brille abzulegen, mit der die Person ihre möglichen Handlungen und deren Konsequenzen betrachtet.

  • Nehmen wir an, diese Person kann die Bedingungen nennen, die dazu führen würden, dass ihr Kind wahrscheinlich Krebs heilen kann. Warum nicht adoptieren? Es gibt Millionen von jungen Menschen, die heute leben und ihr Potenzial nicht ausschöpfen können, weil es ihnen an Möglichkeiten oder Ressourcen mangelt. Anstatt jemanden neu zu erschaffen, sollte man ein Kind adoptieren, das bereits existiert.

#9

Ich brauche eine Familie, die mich im Alter unterstützt, sonst werde ich einsam und ohne Beistand sein.

Menschen, die diese Ausrede einbringen, verdienen Empathie. Es ist wahr - niemand von uns hat darum gebeten, hier zu sein. Niemand von uns hat sich für die Last des Alters und die Einsamkeit entschieden, die damit oft einhergeht. Aber das ist kein Grund, neue Menschen ins Leben zu rufen.

Warum rechtfertigt das nicht die Fortpflanzung? Erstens, warum rechtfertigt sie nicht die Fortpflanzung? Eine Person in die Existenz zu bringen, nur damit sie einen Zweck erfüllen kann und irgendeinen Nutzen hat, ist etwas, das selbst Natalisten meist ablehnen würden. Wenn wir dieser Logik folgen, wäre es gerechtfertigt, Lebewesen zu anderen Zwecken in die Existenz zu bringen, solange es zur Verbesserung der bereits existierenden Menschen führt. Dies kann zu vielen moralisch verwerflichen Handlungen führen. Wäre es gerechtfertigt, Menschen in die Existenz zu züchten, damit sie die Fabriken und Felder füllen, um unseren Lebensstandard zu erhalten? Die meisten ehrlichen Menschen würden zugeben, dass dies nicht gerechtfertigt wäre. Kinder sind keine Sklaven, um für andere zu sorgen.

Stattdessen sollten wir anerkennen, dass das Leben nicht perfekt ist und uns darauf konzentrieren, andere nicht ausbeuterische Wege zu finden und zu entwickeln, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen:

  • Bauen Sie eine Gemeinschaft mit anderen in Ihrem Alter auf, damit Sie mit ihnen die Erfahrung des Älterwerdens teilen können, wenn Sie selbst älter werden.

  • Finden Sie eine bestehende Einrichtung, die Gemeinschaft/Pflege für ältere Menschen anbietet.

  • Adoptieren Sie ein nicht-menschliches Tier aus Sorge um seine schutzbedürftige Situation und seine Bedürfnisse und sehen Sie es als Bereicherung an, dass dieses Tier ein emotionaler Begleiter für Sie werden kann.

  • Adoptieren Sie einen Menschen aus Sorge um seine schutzbedürftige Situation und um seine Bedürfnisse. In der Zukunft könnte diese Person Ihre Unterstützung erwidern, und sich auch um Ihre Bedürfnisse kümmern.

#10

Kinder zu haben ist alles, was ich im Leben will, ohne Kinder ist mein Leben sinnlos.

Diese Ausrede ist sehr nachvollziehbar. Menschen haben, genau wie alle anderen fühlenden Lebewesen, einen angeborenen Wunsch, sich fortzupflanzen. Viele Menschen richten ihr Leben nach dem biologischen Trieb aus, sich fortzupflanzen und dann als Teil einer (biologischen) Familie zu leben. Das ändert aber natürlich nichts an der Frage, ob es ethisch vertretbar ist, sich fortzupflanzen.

Wahrscheinlich sollte man erst einmal erkennen, dass es nicht besonders gesund ist, seine Lebenssinn in die Hände einer anderen Person zu legen, egal ob diese existiert oder nicht. Für die große Mehrheit der Menschen ist es wahrscheinlich von Vorteil, dabei unabhängig zu sein (sich nicht auf die Handlungen anderer zu verlassen), wo ihr Lebenssinn herkommt. So oder so, nur weil etwas für jemanden Bedeutung hat, heißt das nicht, dass diese Person einem anderen Menschen aufzwingen kann, was sie will. Ein Beispiel (wenn auch ein extremes): Für Serienmörder kann das Töten ihrer Opfer eine große Bedeutung haben. Aber niemand würde mit dieser Bedeutung argumentieren, um die begangene Handlung zu rechtfertigen.

Allerdings müssen die Befürworter dieser Ausrede nicht gänzlich verzichten, es gibt Alternativen. Ein naheliegender Weg ist die Adoption. Es gibt Millionen elternloser Kinder auf der ganzen Welt. Eines davon zu adoptieren und aufzuziehen bietet fast genau die gleiche Quelle von Sinn. Es sollte jedoch angemerkt werden, dass bei der Adoption primär die Bedürfnisse derjenigen Person beachtet werden sollte, die adoptiert wird, und nicht der potenziellen Adoptiveltern. Eine weitere Möglichkeit ist es, eine starke Gemeinschaft oder eine Sache zu finden, für die Sie sich leidenschaftlich einsetzen möchten. Teil einer Gemeinschaft zu sein oder eine Sache außerhalb Ihrer selbst voranzutreiben, kann helfen, das "Bedürfnis" nach Fortpflanzung zu unterdrücken oder sogar zu beseitigen. Dann können Sie Ihren Sinn in den Interaktionen und Beziehungen finden, die Sie mit den Menschen in Ihrer Gemeinschaft verbinden, oder in den Leistungen, die Sie für Ihre Sache erbringen.

#11

Ich kann meinen Kindern ein gutes Leben mit relativ wenig Leid bieten, also ist es gut, sie zu haben.

Nehmen wir an, ein/e BefürworterIn dieser Ausrede lebt in einer wohlhabenden Gegend, geschützt vor dem Leid der Existenz, welches die meisten Menschen erfahren (ganz zu schweigen von nichtmenschlichen Tieren). Selbst wenn jemand eine Existenz im relativen Wohlstand ins Leben ruft, gibt es in der Welt in der wir leben, keinen praktischen Umstand, der garantieren kann, dass ein Leben lebenswert sein wird. Im gegenwärtigen Zustand unserer Welt besteht immer das Risiko, dass ein Mensch in eine Existenz gebracht wird, die für ihn nicht lebenswert ist. Was ist z.B. mit den Menschen, die unter schweren Depressionen leiden werden? Oder die mit einer chronischen Krankheit geboren werden - bzw. früh im Leben an einer erkranken - die bei ihnen ein großes Leid verursacht? Wohlstand mag gewisse Risiken verringern, aber er wird sie nicht ganz auslöschen. Egal wie gering die Chancen sind, dass diese Dinge passieren - wenn es eine Chance gibt, dass ein Leben nicht lebenswert ist und es unnötig ist, dieses in die Existenz zu bringen, dann ist es nicht die Aufgabe von Existierenden, dieses Risiko für Nicht-Existierende einzugehen. Vor allem, weil es nichts zu gewinnen gibt, wenn dieses Risiko eingegangen wird (Ungeborene profitieren nicht davon, in die Existenz zu kommen, da diese kein Interesse an der Existenz haben).

Das Leben ist nur eine Reihe von Bedürfnissen - von denen wir viele nicht erfüllen können -, die wir befriedigen müssten, um das Leiden in Schach halten zu können. Es ist völlig unlogisch, Bedürfnisse zu schaffen, die nicht existieren müssen, insbesondere wenn wir diese Bedürfnisse nur ineffektiv erfüllen können.

Diese Ausrede schließt auch eine Berücksichtigung von Handlungen anderer auf das Wohlbefinden eines Menschen aus. Die Welt ist voll von Vergewaltigern, Mördern, Terroristen und mehr. Eine Person in die Existenz zu zwingen, bedeutet einfach, für sie zu würfeln und naiv zu hoffen, dass es gut ausgeht. Außerdem könnte Ihr potentielles Kind auch die Quelle von Schmerz für andere sein; was hält es davon ab, ein Amokläufer oder ein Serienvergewaltiger zu werden?

#12

Irgendwann werden wir das Leiden aus der Existenz verdrängen. Dann wird es doch kein Problem mehr geben, oder?

Sicher, eines Tages werden die Menschen vielleicht ein Mittel erfinden, um sämtliches Leid zu beseiteigen. Aber das ist kein Grund, neue Lebewesen in die Existenz zu bringen.

Zunächst einmal wissen wir nicht mit Sicherheit, ob wir jemals in der Lage sein werden, das Leiden vollständig aus der Existenz zu entfernen, oder ob das überhaupt möglich ist. Aber nehmen wir um des Arguments willen einmal an, wir könnten es. Warum sollten wir beträchtliche Energie aufwenden (die dieses Unterfangen mit ziemlicher Sicherheit erfordert), um das Leiden zukünftiger Lebewesen, die nicht existieren, auszulöschen? Ihr Leiden würde nur existieren, wenn sie selbst existieren. Es scheint lächerlich, Lebewesen in die Existenz zu bringen - wo wir sie in Gefahr bringen - und dann zu versuchen, den Schaden zu mildern, der ihnen begegnet, wenn wir sie einfach gar nicht erst in Gefahr bringen können. Es scheint logischer und ethischer zu sein, keine neuen Lebewesen in die Existenz zu bringen und die Energie, die wir aufgewendet hätten, um ihr Leiden zu mildern, dazu zu verwenden, das Leiden derjenigen Lebewesen zu mildern, die bereits existieren.

Nochmals, nehmen wir an, dass wir das Leiden in Zukunft auslöschen können und dass wir das anstreben sollten. Dann ignorieren wir völlig die Tatsache, dass es Generationen zwischen jetzt und diesem Zeitpunkt geben wird. Diese Generationen, die wahrscheinlich aus Milliarden von Personen bestehen würden, werden in die Existenz kommen um uns an diesen Punkt zu bringen, und sie werden dem Leid ausgesetzt sein. War es fair, dass Menschen in das Leben im mittelalterlichen England gezwungen wurden, damit wir jetzt ein Leben mit Smartphones und Fernsehern genießen können? Wer sind wir, dass wir andere Menschen in Gefahr bringen, um das Leiden von Generationen zu beseitigen, die noch gar nicht existieren (denn ihre Existenz würde das Leiden überhaupt erst verursachen). Wir bringen fühlende Lebewesen in Gefahr, um ein Problem zu lösen, das nicht einmal zu existieren braucht.

#13

Wir haben uns schon immer fortgepflanzt. Das ist normal und war es schon immer.

Wir haben uns in der Tat schon immer fortgepflanzt. Aber bedeutet die Tatsache, dass wir etwas schon immer getan haben, dass wir berechtigt sind, es weiterhin zu tun? Nur weil wir etwas schon immer getan haben, heißt das nicht, dass es ethisch vertretbar war oder ist. Zum Beispiel haben wir uns schon immer aus trivialen Gründen gegenseitig umgebracht, aber die große Mehrheit der Menschen würde die Tatsache, dass wir das schon immer getan haben, nicht dazu benutzen, um zu rechtfertigen, dass wir heute jemanden aus einem trivialen Grund umbringen.

Zu dem Punkt, dass Fortpflanzung normal ist: Sie ist es. Aber nur weil etwas in unserer Gesellschaft normal ist, und es nicht zu tun vielleicht sogar ein soziales Stigma nach sich zieht, bedeutet das nicht, dass es moralisch richtig ist. Das zu tun, was alle anderen tun, unabhängig davon, ob es richtig ist, ist Konformität, nicht Moral. Oder wie Booker T. Washington sagte:

"Eine Lüge wird nicht zur Wahrheit, Falsches wird nicht richtig, und Böses wird nicht gut, nur weil es von der Mehrheit akzeptiert wird."

Ein Beispiel: Die Sklaverei von Menschen gibt es zwar auch heute noch, sie wird aber nicht als moralisch neutrale Tatsache betrachtet, sondern von der überwältigenden Mehrheit der Menschen als unmoralisch abgelehnt. Früher war sie jedoch normal, in jeder Gesellschaft, und meist eine Massenerscheinung. Dinge, die wir alle als unmoralische Handlungen verurteilen, waren einst normal. Es ist heute unsere Aufgabe zu erkennen, welche unmoralischen Dinge in unserer Gesellschaft als normal angesehen werden, und sie abzulehnen.

#14

Ich werde meinen Teil beitragen, indem ich nur ein Kind bekomme. Das ist besser, als drei oder vier zu haben.

Es ist nicht so, dass man entweder mehrere Kinder hat oder nur eines; jeder Mensch hat die Möglichkeit, keins zu haben. Natürlich ist es nicht im selben Maße unethisch, ein Kind zu haben, wie 2, 7 oder 10 Kinder zu haben, aber man hat immer noch dieses eine Kind. Die Moral, ein Kind zu haben, ist nicht relativ zu einer erfundenen Anzahl von möglichen Kindern, die man haben könnte. Egal, ob Sie nur ein Kind oder 15 Kinder haben wollen, ist die ethische Frage, dieses eine Kind zu haben, die gleiche.

Wäre es ethisch vertretbar, wenn jemand ein Kind zu seinem eigenen banalen Vergnügen angreift, mit der Begründung: "Nun, ich habe nicht 15 Kinder angegriffen"? Natürlich nicht; es spielt keine Rolle, wie viele schlimme Dinge man tun könnte - jede Sache, die man tut, steht für sich und sollte entsprechend beurteilt werden. Das ist eine lächerliche Ausrede, die in der Hoffnung vorgebracht wird, dass sie als vernünftiger Kompromiss rüberkommt (mit wem, ist nicht wirklich klar); sie funktioniert schlicht nicht.

Wir müssen auch erkennen, dass selbst ein Kind zu haben, nicht bedeutet, nur dieses eine Kind zu haben. Es enthält das Potenzial für weitere Hunderte von Generationen, die Tausende von neuen Menschen in die Existenz bringen könnten; jeder von ihnen selbst zur Existenz gezwungen.

#15

Es ist egoistisch, keine Kinder zu haben. Ich bin sicher, dass Sie froh sind, am Leben zu sein - warum würden Sie einer anderen Person die Chance auf das Leben nehmen?

Die Idee, dass es egoistisch ist, sich nicht fortzupflanzen, ist lächerlich. Sich nicht fortzupflanzen bedeutet nicht, jemanden des Lebens zu berauben, denn diese Person existiert nicht. Sie ist nicht in irgendwelchen überirdischen Gefilden und blickt auf die Erde herab und wünscht sich, sie wäre am Leben, sie existiert einfach nicht. Wenn sie nicht existiert, wie kann man sie dann einer Sache berauben? Es gibt niemanden, dem etwas vorenthalten wird.

Es ist die Fortpflanzung, die egoistisch ist. Die Menschen pflanzen sich nicht um des Kindes willen fort - das nicht existierende Kind profitiert nicht davon, dass es entsteht - sie tun es, um ihre eigenen Wünsche zu befriedigen, und sie bringen dabei eine anderen Person in Gefahr. Gewiss ist das die egoistische Handlung - sich berechtigt zu fühlen, ein völlig neues Lebewesen zu erschaffen, das Bedürfnisse hat, die es zu erfüllen gilt, und Gefahren ausgesetzt ist, die es nun zu vermeiden gilt, nur damit man irgendeinen Wunsch erfüllen oder irgendein Bedürfnis befriedigen kann, das man hat. Führen wir diese Ausrede doch zu ihrem logischen Schluss: Wenn wir wirklich unmoralisch handeln würden, indem wir uns nicht fortpflanzen und damit jemandem die Existenz entziehen, wären wir dann nicht verpflichtet, so viele Kinder wie möglich zu bekommen (oder zumindest so viele, wie wir genug Ressourcen haben, um sie zu aufzuziehen)?

Die Tatsache, dass jemand froh ist, gerade jetzt am Leben zu sein, ist wahrscheinlich eine Kombination aus unserem biologischen Trieb, weiter existieren zu wollen (um sich dann fortzupflanzen, rein evolutionärer betrachtet) und der (relativ) glücklichen Lebenssituation, in der wir uns gerade befinden.

#16

Das ist nur deine depressive Weltsicht, du musst das Leben positiver sehen.

Ob absichtlich oder nicht - diese Ausrede wird verwendet, um eigentlichen Argumenten gegen die Fortpflanzung auszuweichen und stattdessen auf deine potentielle Voreingenommenheit im Allgemeinen hinzuweisen. Ein Argument sollte sowohl an und für sich, als auch unabhängig von den Vorurteilen der Person betrachtet werden, die dieses Argument vorbringt. Falls die Vorurteile dieser Person sie dazu verleitet haben sollten, ein unstimmiges Argument vorzubringen, dann kann dieses Argument sowieso direkt widerlegt werden.

Sogar wenn wir die Tatsache ignorieren, dass Fortpflanzung buchstäblich bedeutet, dass eine Person ihre Weltsicht einer anderen Person aufzwingt (d.h. was ist wenn das Kind einen weniger positiven Blick auf die eigene Existenz haben wird als seine Eltern?), schauen wir uns diese Ausrede an sich an. “Du musst das Leben positiver sehen” unterstellt, dass Antinatalisten die angenehmen Erfahrungen im Leben (das “Positive”) nicht berücksichtigen und wenn sie dies tun würden, dann würde das Leben keine so schlechte Sache zu sein scheinen.

Diese Ausrede geht wirklich am Kern der Sache vorbei. Sicher, wir können sowohl gute als schlechte Dinge im Leben erleben. Allerdings hat die Person, die diese Ausrede vorbringt, nicht das Recht, für andere zu entscheiden - insbesondere wenn diese Anderen aus dem Risiko, in die Existenz gebracht zu werden, keinen Vorteil für sich erzielen. Es steht einem Menschen nicht zu, eine andere Person einfach so zu erschaffen, weil er das möchte.

#17

Wenn das Leben so schlimm ist, warum bringst du dich nicht einfach um?

Diese Ausrede ignoriert den Unterschied zwischen jemanden in die Existenz bringen und jemanden aus der Existenz nehmen. Wenn eine Person aus welchen Gründen auch immer, in die Existenz gebracht wird, ist das ein fundamentaler Unterschied. Nun hat diese Person ihre eigenen Interessen, Vorlieben und Erfahrungen. Deshalb sollten wir versuchen, für diejenigen, die bereits existieren, das Potenzial für ihr Wohlbefinden zu erhöhen und die Wahrscheinlichkeit für ihr Leiden zu senken. Natürlich ist dies nicht vollständig möglich, aber wir sollten zumindest versuchen, die Zeit für alle auf diesem Planeten mit so wenig Leiden wie möglich zu gestalten. Wenn also eine Person sterben möchten, weil ihr Leben so unerträglich geworden ist, dass ein würdevoller Abgang aus dem Leben als die bessere Option erscheint, dann ist es ihre eigene Entscheidung.

Es gibt natürlich viele praktische Gründe, warum auch Antinatalisten am Leben bleiben wollen: Um zum Beispiel das Bewusstsein für ethische Gründe gegen die Fortpflanzung zu verbreiten oder um für die moralischen Rechte von Tieren einzustehen.

Im Grunde zeigt diese Ausrede, wie unmoralisch Fortpflanzung eigentlich ist. Diese analoge Situation zeigt, warum:

Stell dir vor, dass du abends nach Hause gehst, und ein paar Leute dich fesseln, in den Kofferraum ihres Autos sperren und mit dir über die Autobahn rasen. Du bist verängstigt, leidest und bettelst sie an: “Warum macht ihr das? Wohin fährt ihr mich? Wie könnt ihr mir das nur antun?”. Sie antworten dir aber einfach nur: “Das gefällt dir nicht? Wir haben den Kofferraum nicht zugesperrt. Wenn es dir nicht gefällt, dann springe einfach raus. Aber wirf uns nicht vor, dass wir dich hier gefesselt haben, weil wir dich nicht zwingen, hier zu bleiben - hier ist die Tür, und wenn das was wir dir antun, so schlimm ist, dann springe einfach raus.”

#18

Versuche nicht, mir deine Ansichten aufzuzwingen. Es ist meine persönliche Entscheidung, ob ich mich fortpflanze oder nicht.

Dieser Einwand ist interessant. Genauso wie es theoretisch die persönliche Entscheidung eines Menschen ist, ob er in den nächsten Park geht und ein Kind sexuell belästigt oder Tiere tötet um sie zu essen, ist es theoretisch seine eigene Entscheidung, ob er sich fortpflanzt oder nicht. Das ist aber nicht das Problem; das Problem ist, ob es auch ethisch ist, diese Dinge zu tun. Deshalb ist die Frage, ob wir diese Dinge tun sollten oder nicht.

Es ist wahrscheinlich, dass der Ausdruck “persönliche Entscheidung” außerhalb der moralischen Bewertung verwendet wird. So wie die Wahl des eigenen Lieblingssongs oder welche Poesie man liest - also etwas, was andere nicht kommentieren sollten. Dies ist allerdings nicht der Fall, da die getroffene Wahl eine andere Person direkt betrifft. Das macht es zu einem Spiel mit dem Wohlbefinden einer anderen Person, und damit ist es sehr wohl eine moralische Frage. Deshalb ist es nicht genug, einfach zu sagen, dass es hier um eine persönliche Entscheidung geht und dass man deshalb tun kann, was man will. Du hast die Macht, ein neues Lebewesen zu erschaffen und deshalb hast du die Verantwortung, es nicht zu tun.

#19

Kinder sollten dankbar dafür sein, dass sie existieren.

Wenn jemand diese Aussage macht, ist es sinnvoll, mehrere klärende Fragen zu stellen: “Welche Kinder? Diejenigen, die als Sexsklaven gehandelt werden? Diejenigen, die bei terroristischen Attacken in Stücke gerissen werden? Diejenigen, die von einem Auto angefahren werden und danach mit chronischen Schmerzen leben müssen? Diejenigen, die mit Depression geboren wurden?”

Wann auch immer wir ein neues Lebewesen in die Existenz bringen, setzen wir es all diesen Gefahren aus. Natürlich müssen diese Szenarien nicht zwangsläufig eintreffen, oder wir können einen Weg finden, mit ihnen umzugehen. Aber wir waren nie dazu berechtigt, ein anderes Lebewesen ihnen auszusetzen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit klein ist, dass es mit einer schweren degenerativen Erkrankung geboren wird, warum möchtest du diese Möglichkeit in Kauf nehmen, wenn es da draußen so viele Kinder gibt, die bereits existieren und Adoptiveltern brauchen?

Wir spielen mit ihrem Wohlbefinden aus einem einzigen Grund: Um unser biologisches Verlangen nach Fortpflanzung zu befriedigen, und das ist nichts, wofür Kinder dankbar sein müssen. Wenn überhaupt, dann sollten wir unseren Kindern dankbar dafür sein, dass sie uns nicht noch mehr zur Rechenschaft ziehen.

#20

Du solltest dich wirklich für die Menschen einsetzen, die bereits existieren, und dich nicht über diejenigen verrückt machen lassen, die es nicht einmal gibt.

Es gibt vollkommen berechtigte Gründe, das Leben für diejenigen zu verbessern, die bereits existieren. Dabei sollten wir aber die moralische Notlage nicht vergessen, die dann entsteht, wenn weitere Lebewesen in die Existenz gebracht werden. Wir können diese beiden Aspekte gleichzeitig berücksichtigen. Wenn du möchtest, mache diese Welt besser auf welche Art auch immer - aber bekomme keine Kinder und ermutige andere nicht, Kinder zu bekommen.

Wenn du darüber nachdenkst, dann hast du mehr Zeit und Ressourcen, dich für Themen deiner Wahl einzusetzen, wenn du auf Fortpflanzung verzichtest. Außerdem wird dein Verzicht auf Fortpflanzung die Anzahl der Menschen und Tiere reduzieren, die potentiell Erfahrungen mit Naturkatastrophen und Leiden wie Hungersnöten, Dürren und Krankheiten machen werden.

Wenn man für einige Zeit die Anzahl der Menschen reduziert, welche in die Existenz gebracht werden, dann bleiben für die bereits existierenden Menschen mehr Ressourcen übrig. Keine Kinder zu haben, bedeutet dass es weniger “Wettbewerb” um Ressourcen gibt. Diejenigen, die den bereits existierenden Menschen helfen möchten, werden dafür wahrscheinlich mehr Ressourcen zur Verfügung haben - Ressourcen, die sonst für die neu geborenen Menschen benötigt worden wären.

#21

Du würdest dieses Gespräch nicht führen können, wenn du nicht geboren worden wärst.

Was für eine scharfsinnige Beobachtung! In der Tat, die Person, mit der du dich gerade unterhältst, würde nicht existieren, wenn ihre Eltern sie nicht in die Existenz gebracht hätten. Aber die Tatsache, dass die Eltern dieser Person sie in die Existenz gebracht haben - und dass sie sich jetzt mit einer anderen Person unterhält, die diese Ausrede gebraucht - hat buchstäblich keinen Einfluss darauf, ob die von den Eltern der ersten Person getroffene Entscheidung ethisch war oder nicht. Es ist eine Tatsache, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo Natalismus die Norm ist und ohne kritisches Hinterfragen unterstützt wird. Wir sind evolutionär veranlagt, uns fortpflanzen zu wollen und dies ist nicht die Schuld eines einzelnen Individuums, dass seine Eltern den Weg der Fortpflanzung ohne Nachdenken gegangen sind.

Weil aber die Person, die sich diese Ausrede anhören muss bereits existiert, ist es besser, so viel wie möglich über antinatalistische Ethik zu sprechen (oder in einer anderen Form am antinatalistischen Aktivismus teilzunehmen), um andere davon zu überzeugen, sich nicht fortzupflanzen. Damit kann man im Grunde das Beste aus einer schlechten Situation machen, und die Situation verbessern, die einem gegeben wurde. Das Gespräch mit derjenigen Person, die diese Ausrede vertritt, ist ein solches Gespräch.

#22

Schmerz ist subjektiv. Was du als Leiden betrachtest, kann dein Kind anders bewerten.

Meistens scheint diese Ausrede ein letzter Versuch zu sein, Fortpflanzung zu rechtfertigen - es ist die Entsprechung von “Pflanzen spüren auch Schmerzen” der natalistischen Welt. Es ist eine Behauptung, die nicht auf der Realität beruht.

Diese Behauptung versucht darzulegen, dass obwohl alle Menschen - und auch alle Tiere - dasselbe Nervensystem haben und Schmerzen auf eine ähnliche Weise erleben (außer vielleicht bei seltenen genetischen Abweichungen), ihre Nachkommen Schmerz auf eine irgendwie neue Art und Weise empfinden werden, die sich so signifikant von unserer Erfahrung unterscheidet, dass es irrational von uns wäre, davon auszugehen. Entweder wird das Nervensystem ihrer Nachkommen eine andere anatomische Form annehmen, oder sie werden “Schmerz” über einen anderen Mechanismus als über ihr Nervensystem empfinden.

Tatsache ist, dass wir keinen guten Grund haben anzunehmen, dass das eigene Kind oder jedes andere Lebewesen, welches in die Existenz gebracht wird, Schmerz anders empfinden wird. Es gibt keinen Grund zu denken, warum sie mit einem signifikant anderen Nervensystem geboren werden, oder mit irgendeiner neuen anatomischen Funktion, die eine andere Art von Schmerz erzeugt oder es ihnen ermöglicht, Schmerz anders zu erleben. Die Faktenlage zeigt uns, dass sie mit dem selben Nervensystem geboren werden, wie der Rest von uns und dass sie Schmerz auf dieselbe Art empfinden werden wie wir alle. Natürlich haben wir alle unterschiedliche Persönlichkeiten sowie unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen, aber wir alle teilen die Grundlagen: Wenn man uns eine Hand abschneidet, dann werden wir es fühlen... und es wird uns wehtun.

#23

Wer bist du überhaupt, um mir zu sagen, was ich tun soll?

Das ist wirklich kein besonders relevanter Einwand, den Menschen bewusst oder unbewusst verwenden, um sich aus ihrer persönlichen Verantwortung bei einem bestimmten Thema zu stehlen. So versuchen sie zu vermeiden, von jemandem für ihre Handlungen oder Überzeugungen verantwortlich gemacht zu werden. Ein Mörder, Vergewaltiger oder Kinderschänder könnte genauso sagen: “Wer bist du überhaupt, um mir zu sagen, was ich tun soll?”. Wie Michael Shermer sagte:

“Es ist nicht länger akzeptabel, deine moralischen Überzeugungen einfach zum Ausdruck zu bringen; du solltest Begründungen für sie angeben, und diese Begründungen sollten am besten mit rationalen Argumenten und empirischen Beweisen belegt sein, ansonsten werden sie voraussichtlich ignoriert oder zurückgewiesen.”

Wir müssen zum ursprünglichen Thema zurückkehren, damit wir dieser Person weitere ethische Argumente gegen die Fortpflanzung aufzählen können. Falls es sich bei diesem Gespräch lohnt, dann könnten wir z.B. wie folgt fortfahren:

“Es tut mir leid, dass es so rüberkam, dass ich versuche, dir zu sagen, was du tun solltest; das wollte ich nicht. Sogar wenn ich das versuchen würde, kann ich dich nicht zwingen. Ich versuche nur, dir eine Denkweise bei diesem Thema zu präsentieren, der du vielleicht bisher nicht begegnet bist. Ich verstehe vollkommen, dass das sich unbequem anfühlen kann - den meisten Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, kam diese Idee sehr fremd vor, aber nach einigem Nachdenken begann sie, Sinn zu machen. Welchen Aspekt des Antinatalismus findest du gerade am wenigsten ansprechend?”

An diesem Punkt regst du die andere Person dazu an, über etwas anderes nachdenken, sodass du mit dem Gespräch fortfahren kannst.

#24

Aber du wirst doch sowieso wiedergeboren. Wenn du dich persönlich also nicht fortpflanzt, dann ändert das gar nichts.

Lass uns für einen Moment annehmen, dass Reinkarnation tatsächlich existiert. Wenn es sie gibt, warum würde man den Lebewesen gegenüber gleichgültig sein, die wieder und wieder in die Existenz gebracht werden? Wir wissen - und das steht fest - dass wann auch immer Lebewesen in die Existenz gebracht werden, ihr Wohl auf dem Spiel steht. Sie haben sich das nicht ausgesucht, sondern jemand anders hat sie in diese Lage gezwungen, und es kann passieren, dass sie ein kurzes Leben voll wirklich unerträglicher Leiden verleben werden. Deshalb würden wir auf jeden Fall versuchen, sogar aus der Perspektive der Reinkarnation, die Anzahl der fleischlichen und fühlenden Körper so weit wie möglich zu reduzieren, durch die Lebewesen immer wieder in den Fleischwolf der Existenz gebracht werden können. Dann werden weniger Lebewesen reinkarniert in die Existenz zurückkommen, und deshalb wird es weniger von ihnen geben, die Opfer von Kindesmissbrauch werden, schwerbehindert sind, oder im Kindesalter verhungern werden.

Tupac Shakur sagte einmal:

“Meine einzige Angst vor dem Tod ist es, wiedergeboren zu werden und zurück zu kommen.”

Ob Tupac ein Antinatalist war, ist nicht bekannt, aber dieses Zitat bringt es wirklich auf den Punkt. Wer auf dieser Welt würde es jemand anderem wünschen, immer wieder in die Existenz gebracht zu werden, nur um jedes Mal in die Schusslinie zu geraten? Wir sollten dies vermeiden, damit niemand in die Schusslinie gerät.

#25

Das ist eine sehr gefährliche Idee! Du solltest vorsichtig sein, wenn du darüber sprichst.

Zuerst müssen wir anerkennen, dass die Philosophie des Antinatalismus an sich nicht gefährlich ist. Im Gegenteil, es sind das Leben und das Erschaffen von weiteren fühlenden Lebewesen in die Existenz, die gefährlich sind. Sind nicht-existente Lebewesen in Gefahr? Nein, weil sie nicht existieren und somit nicht gefährdet werden können. Neue Lebewesen in die Existenz bringen - geblendet von einer optimistischen Voreingenommenheit - ist das, was viele Gefahren auf dieser Welt weiter schürt (z.B. Kriege, Krankheiten, Vergewaltigungen, usw.) und neue Lebewesen erschafft, die ihnen ausgesetzt sind. Wenn es keine Lebewesen geben würde, die Gefahren ausgesetzt sein könnten, dann wäre diese Welt nicht mehr gefährlich!

Dennoch müssen wir auch anerkennen, dass Menschen Philosophien verdrehen und manipulieren können, um damit Schlechtes zu tun und das kann natürlich mit dem Antinatalismus passieren; allerdings wird dadurch diese Philosophie nicht weniger gültig. Die Geschichte zeigt uns, dass sowohl gute als auch schlechte Absichten großes Leiden verursacht haben und dabei dennoch von Prinzipien und Philosophien geleitet wurden, die Unterdrückung und Gewalt nicht voraussetzen oder gar unterstützen. Sehen wir uns als Beispiel das Prinzip der Gleichberechtigung an. Für die meisten von uns bedeutet dieses Prinzip, dass alle unabhängig von zufälligen Merkmalen wie Geschlecht, Rasse, Nationalität usw., gesetzlich gleiche Chancen haben sollten. Dasselbe Prinzip kann von totalitären Parteien verdreht werden, wenn sie versuchen, eine Ergebnisgleichheit zu erzwingen, was zu extrem repressiven Regimes führen kann und auch geführt hat.

#26

Was ist mit all der Kunst und Schönheit, die wir Menschen erschaffen haben? Das alles wird verloren gehen!

Menschen haben herrliche Dinge geschaffen - Kunst, Musik und Literatur - die wir schön finden, aber Schönheit ist subjektiv. Es gibt keine inhärente Qualität der Schönheit, die Dinge haben können, sondern sie ist lediglich eine Wahrnehmung, die wir von den Dingen haben. Wir empfinden Genuss bei gewissen Klängen, Geschmäckern, Gefühlen und Anblicken, und wir sollten uns damit umgeben, solange wir am Leben sind. Aber wenn wir gestorben sind, werden wir keinerlei Verlangen haben, diese Dinge zu erleben, genauso wie wenn wir noch nicht geboren waren. Also ja, wenn es keine Menschen mehr gibt, bedeutet das, dass niemand mehr diese großartigen Werke würdigen kann, aber das ist kein Verlust. Wir hatten genug Gelegenheit, sie zu erleben als wir am Leben waren und wenn niemand mehr existiert… werden sie auch niemandem mehr vorenthalten.

Wir müssen uns daran erinnern, dass es keine unsichtbaren Gefilde gibt, wo ungeborene Lebewesen darauf warten, in die Existenz zu kommen und wegen jedem Augenblick verzweifeln, in dem sie diese schönen Werke nicht erleben. Es gibt nur Nicht-Existenz.

Denke außerdem über all die schlechten Dinge, die wir genauso erschaffen haben. Jede Gaskammer, jede Bombe, jede Pistolenkugel, jedes Messer, jedes Sklavenschiff; es gab sie, weil es auch Menschen gab. Es ist wichtiger, dass diese Dinge nicht existieren, als dass Kunstwerke existieren.

#27

Mit dir stimmt etwas nicht. Du bist nur neidisch, weil du keine Person findest, die mit dir Kinder haben will.

Die Person, die diese Ausrede gebraucht - die eigentlich ein Ad hominem-Argument ist - hat vermutlich Schwierigkeiten mit der Idee der Nicht-Fortpflanzung, oder zumindest damit, Gegenargumente dafür zu finden.

Tatsache ist, dass auch Antinatalisten verschiedenste Fähigkeiten und Vorlieben haben, wenn es um Dating, Beziehungen und sexuelle Aktivität geht. Es gibt natalistische Incels (engl. “unfreiwillig Zölibatäre”), und es gibt Antinatalisten, die sehr viel Charme haben und viel flirten. Dieses Ad hominem-Argument wird vorgebracht, um - wenn auch unbewusst - von der moralischen Frage bei der Fortpflanzung abzulenken und den Fokus auf die vermeintliche Unzulänglichkeit des Gegenübers zu legen. Es ist ein Versuch, eine Person lächerlich zu machen, anstatt sich mit ihr intellektuell auseinander zu setzen und ihr Argument zu widerlegen. Es ist eine vorhersehbare Antwort, die an dieses Zitat von Arthur Schopenhauer erinnert:

“Jede Wahrheit durchläuft drei Stufen: Erst erscheint sie lächerlich, dann wird sie bekämpft, schließlich ist sie selbstverständlich.”

Obwohl dieses Zitat zu dieser Ausrede passt, hilft es beim Argumentieren nicht unbedingt weiter. Deshalb: Diese “Entschuldigung” ist ein inhaltsloser Ad hominem-Angriff und sollte nicht zu ernst genommen werden. Fasse sie nicht als Beleidigung auf. Um das Gespräch weiter am Laufen zu halten, ist es wahrscheinlich am besten, einen Witz auf deine eigenen Kosten zu machen (oder auf die Kosten der anderen Person), darüber zu lachen, und weiterzumachen.

#28

Findest du Babys nicht auch süß? Sie sind bezaubernd!

Es stimmt, die Menschheit hat sich so entwickelt, dass wir kleine Kinder (meistens) süß finden, weil wir sie dann beachten und sie beschützen wollen. Obwohl wir Kinder süß finden, macht das sie noch lange nicht zu Spielzeugen, die wir als Accessoires in unser Leben holen können. Nur weil jemand niedlich ist, uns zum Schmunzeln bringt und uns dabei warm ums Herz wird, heißt das nicht, dass dieser jemand existieren sollte. Niedlichkeit ist eine oberflächliche Ablenkung, die von den fundamentalen moralischen Fragen und noch mehr von den ernsthaften ethischen Fragen ablenkt, die wir uns über unsere persönliche Verantwortung stellen müssen, keine neuen fühlenden Lebewesen in die Existenz zu bringen.

Eine letzte Sache, die zu beachten ist, ist, dass jemand, der gegen die Fortpflanzung ist, nicht bedeutet, dass er gegen Kinder ist. Viele Menschen, die gegen die Fortpflanzung sind, mögen Kinder und wünschen ihnen natürlich das Beste für ihr Leben.

#29

Du hasst einfach Kinder, oder?

Auf keinen Fall muss eine Person, die gegen Fortpflanzung ist, zwangsläufig Kinder hassen. Es muss auch gesagt werden, dass es einige Menschen gibt, die Kinder hassen, und viele von ihnen werden Antinatalisten sein. Denke aber an all diejenigen, die Kinder schlagen, sie in die Prostitution verkaufen, sie in die Luft jagen… Denkst du wirklich, dass sie alle Antinatalisten sind? Oder zumindest die Mehrheit von ihnen? Ich denke, das ist nicht der Fall. Wir sind alle Individuen; einige Antinatalisten mögen Kinder lieben, andere mögen sie verabscheuen, andere wiederum mögen ihnen gegenüber neutral sein. Es ist nicht unsere Zuneigung oder Abneigung gegenüber Kindern, die unsere Haltung beeinflusst, ob Fortpflanzung moralisch ist oder nicht.

Antinatalismus als Philosophie versucht, das Recht von Kindern zu respektieren, von ihren Eltern nicht in die Schusslinie des Leidens gebracht zu werden. Denke nur an all die Risiken und an all den daraus folgenden Missbrauch, dem Kinder auf dieser Welt ausgesetzt sind. Wie viele Eltern nehmen ernsthaft Rücksicht auf das zukünftige Wohlbefinden ihres Kindes (nicht dass in diesem Fall Fortpflanzung ethisch wäre - das wäre sie nicht), wenn sie entscheiden, ob sie sich fortpflanzen oder nicht? Antinatalisten sind diejenigen, die Risiken vermeiden wollen, und sie sind diejenigen, die nicht mit einem unschuldigen Lebewesen herumspielen wollen.

Sicher, wenn Antinatalisten Kinder hassen würden, würden wir sie in die Schusslinie dieses Lebens bringen und in ihrem Leiden schwelgen wollen? Ich denke nicht, dass das passiert. Das Gegenteil ist der Fall.

#30

Diese Diskussion macht keinen Sinn, weil Antinatalismus zusammen mit den Antinatalisten aussterben wird.

Die implizite Annahme in dieser Ausrede geht davon aus, dass Ideen oder ethische Prinzipien nur genetisch weitergegeben werden. Obwohl diese Annahme ein Körnchen Wahrheit enthält, ist sie größtenteils falsch. Das Körnchen Wahrheit ist, dass Werte und Prinzipien von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden können (obwohl auch das nicht garantiert ist). Aber das ist nicht der effektivste oder der üblichste Weg auf dem Werte, Prinzipien oder ethische Glaubenssätze übernommen werden. Sie werden vor allem durch Erfahrungen, Diskussionen und den Kontakt mit neuen Informationen kommuniziert und übernommen (vor allem heute, im Zeitalter des Internets). Wenn wir die Tierrechtsbewegung als Beispiel nehmen, dann ist die überwiegende Mehrheit dort über die Rechte von Tieren bewusst geworden, nachdem sie eine Dokumentation gesehen haben, mit jemandem ein Gespräch darüber hatten, oder eine bestimmte Erfahrung gemacht haben - und nicht weil sie von Eltern gezeugt wurden, die Tierrechte unterstützten.

Frühere und heutige Bewegungen für Gerechtigkeit wie z.B. Feminismus, Bürgerrechte, oder Tierrechte, haben von einer langsameren Weitergabe von Werten und Überzeugungen über die Generationen hinweg profitiert. Nein, die antinatalische Bewegung verfügt nicht über dieses potentielle Vorteil, weil wir uns nicht fortpflanzen. Deshalb müssen wir uns mehr auf andere Wege verlassen, um unsere Überzeugungen zu verbreiten, zumal die Wirksamkeit der Weitergabe von Überzeugungen an die nachfolgenden Generationen sowieso ziemlich umstritten ist.

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